Wildlife

Walter Schels wuchs mit Tieren auf. Das prägte, wie er sagt, sein Verhältnis zu Tieren und seine Fotografie. Schels‘ erste Tierporträts entstanden Mitte der Achtziger Jahre: Große Firmen wie VW, Panasonic oder Blaupunkt gaben bei Schels Schimpansen- oder Hundebilder für Werbekampagnen in Auftrag – oft in lustigen Posen und fast immer in Farbe. Heimlich fotografierte er damals seine schwarzweiß-Porträts mit, ohne dass die Artdirektoren es merkten. Später fotografierte er Tiere auch ohne Auftrag, bis in die 2000er Jahre.

Bekannt wurde Schels mit Charakterstudien von Prominenten wie Andy Warhol, Joseph Beuys oder Angela Merkel. Immer vor weißem oder schwarzem Studiohintergrund, ohne Lächeln, mit direktem Blick in die Kamera. Bei seinen Tierporträts hält Schels es ebenso. Herausgelöst aus ihrem natürlichen Umfeld werden Schaf, Bär, Frosch oder Kaninchen als Individuen sichtbar. Beim Betrachter entsteht, vom Fotografen durchaus gewollt, das Gefühl, mit dem Tier – ganz gleich ob Schaf, Bär, Frosch oder Kaninchen – quasi auf Augenhöhe in einen gleichwertigen Dialog zu treten. 

Der Blickkontakt, sagt Schels, sei für ihn bei menschlichen und tierischen Sujets der Zugang zum Wesenskern seines Gegenübers und damit „der Schlüssel zu einem guten Porträt“. Doch weil man Tiere nicht anweisen könne, in die Kamera zu schauen, sei ein Tierporträt „Glückssache“. bl



Dass Schels eine am Menschenbild
entwickelte Konvention der Darstellung
einfach auf die Tierfotografie übertrug,
ist eine Provokation
Klaus Honnef, Fotohistoriker